In der vierten Public Lecture der School of Participation war der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zu Gast.

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Er betont die Bedeutung von Solidarität für die Demokratie. Solidarität meine unter anderem eine moralische Verpflichtung, soziale Gesinnung und Hilfsbereitschaft, ein emotionales Band – die Kraft, die gesellschaftlichen Zusammenhalt stifte.

Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang: „Wem schulde ich Solidarität?“ Dabei nimmt Ablehnung zu, wenn es um verpflichtende persönliche Solidarität geht, stellt Thierse fest. Nicht der Streit – z.B. über die Maßnahmen zur Coronazeit – sei ärgerlich, sondern die Ablehnung solidarischer Pflichten. Freiheit werde in dieser Lesart zum Gegenpart von Solidarpflichten. Dabei gehörten Freiheit und Verantwortung zwingend zusammen.

Über den Referenten:

Wolfgang Thierse ist ein prominenter SPD-Politiker und war von 1998 bis 2005 Bundestagspräsident. Thierse gilt als einer prägenden Stimme in der deutschen Politik und Öffentlichkeit. Als Katholik ist sein Schaffen und Reden geprägt von christlichen Grundwerten, in der SPD vertrat er die Tradition des linken Humanismus und der Arbeiterbewegung und setzte sich für eine soziale Marktwirtschaft ein. Als ehemaliger DDR-Bürger verkörperte er den Brückenschlag zwischen Ost und West und die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit. Sein ehrenamtliches Engagement in der Zivilgesellschaft ist außerordentlich vielfältig. So ist er auch seit mehreren Jahren Beirat der School of Participation e.V.

In der DDR aufgewachsen studierte Thierse Germanistik und Kulturwissenschaft und war an der der Humboldt-Universität tätig. Das Ministerium für Kultur der DDR, wo er ab 1975 in der Abteilung Bildende Kunst arbeitete, entließ ihn, nachdem er sich geweigert hatte, eine Erklärung zu unterzeichnen, mit der er die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann befürworten sollte. Thierse war bis zur friedlichen Revolution parteilos, trat dann dem Neuen Forum und 1990 der Sozialdemokratischen Partei der DDR bei, die sich 1990 mit der SPD vereinigte.

Thierse war unter anderem stellvertretender Parteivorsitzender und Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD und ist dort Ehrenmitglied. Er gilt als streitbar, meinungsstark und engagiert und wurde bekannt für seine tiefgründigen Reden und seine differenzierte Sicht auf die deutsche Einheit.